100 Jahre Coburg in Bayern

Coburg gehört seit dem 1. Juli 1920 zu Bayern

Mi, 1. Jul. 2020

Im Jahr 1919 stimmten die Coburger Bürger gegen einen Anschluss an den Freistaat Thüringen. Damit kam Coburg am 1. Juli 1920 zu Bayern und entwickelte sich nach der deutschen-deutschen Trennung im westlichen Teil Deutschlands…

Der 1. Juli 1920 ist für Coburg ein bedeutendes Datum. An diesem Tag schloss sich der damalige Freistaat Coburg an den Freistaat Bayern an.

Was wäre aus Coburg geworden, hätten sich die Bürger bei der Abstimmung im Jahr 1919 nicht gegen einen Anschluss an Thüringen entschieden? Eines ist sicher, so wie heute würde die Vestestadt nicht dastehen.

Dr. Hubertus Habel - Kultur- und Museumswissenschaftler
„Wenn 1919 die Coburger in Stadt und Land nicht gegen den Anschluss an Thüringen gestimmt hätten, dann wäre Coburg Stadt und Land 1945 hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden. Und Stadt und Landkreis hätten mit Sicherheit nicht die Entwicklung nehmen können, die sie so, zwar im unmittelbaren Grenzlandbereich, nach dem Krieg genommen hat.“

Nach Ende der Monarchie im Jahr 1918 entstanden aus dem Herzogtum Sachsen - Coburg und Gotha die Freistaaten Coburg und Sachsen Gotha.
Allerdings war der Freistaat Coburg zu klein, um eigenständig existieren zu können. So kam es im November 1919 zu einer Volksabstimmung.

Mit über 88 Prozent entschieden sich die Coburger gegen einen Anschluss an den Freistaat Thüringen. Der Freistaat Bayern nahm Coburg mit großer
Freude auf. Das belegt ein Willkommenstelegramm des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Gustav von Kahr:

Dr. Alexander Wolz - Leiter Staatsarchiv
„Vernehme so eben mit großer Freude, dass die Vereinigung Coburgs mit Bayern durch die Nationalversammlung heute beschlossen wurde namens der Bayerischen Regierung allen Coburger Bürgern einen herzlichen Willkommensgruß.“

Dr. Hubertus Habel - Kultur- und Museumswissenschaftler
„Das Besondere am Landestheater ist, dass die Verhandler damals eben mit Coburg verhandelt haben und eine deutliche Förderung noch zusätzlich 
rausgehandelt haben. Das also eine Defizitdeckung für das Landestheater garantiert worden ist. Der Freistaat Bayern, der dem dann zugestimmt hat, hat unter anderen die Domänenwälder bekommen."

Dr. Hubertus Habel - Kultur- und Museumswissenschaftler
„Es wurde eben auch bestimmt, dass zur Verwaltung dieser ehemaligen Domänen jetzt Staatsbesitz ein Forst - und Domänenamt gegründet werden muss, das heute noch existiert als Kuriosum so zusagen in Bayern. Es ist der allerkleinste Forstbetrieb im Unternehmen Bayerische Staatsforsten und führt bedingt durch den Staatsvertrag von 1920 nach wie vor neben dem offiziellen Titel Forstbetrieb Coburg eben diesen alten Titel 'Forst- und Domänenamt, was man eben ja heute auch noch an den beiden Granit-Steinen, die vor dem Amt stehen, lesen kann.“

Dr. Hubertus Habel - Kultur- und Museumswissenschaftler
"Das Ritterteichschloss war zu dem Zeitpunkt 1919/1920 das Kulissenmagazin des herzoglichen Hoftheaters, dass ja dann zum Landestheaters geworden ist. Das heißt auch, dass Rittersteichschloss,das ursprünglich der Münzmeisterfamilie der Herren von Rosenau gehört hatte, dann in herzoglichen Besitz gekommen ist, das wurde auch mit der Gründung der Coburger Landesstiftung auch der Umwandlung des Hoftheaters ins Landestheater eben in staatlichen Besitz übernommen.“

Dr. Hubertus Habel - Kultur- und Museumswissenschaftler
„Wie in vielen Landkreisen wäre nur ein Amtsgericht da, aber auch ein Effekt eben dieses Staatsvertrages ist es, dass Coburg ein eigener Landgerichtssprengel geworden ist, der allerdings deutlich über Coburg herausragt. Kronach und Lichtenfels gehören auch mit dazu.“

Das sind einige Beispiele, die die Bedeutung der Angliederung des Freistaats Coburg an den Freistaat Bayern zeigen. Die Volksabstimmung der Coburger im Jahr 1919 strahlt also bis heute in das Leben der Stadt – oft ohne das man sich der Bedeutung bewusst ist.

 

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