Geschickt gemacht

Die Maschen der Betrüger

Do, 23. Aug. 2018

Sie kommen immer häufiger vor: Der Enkeltrick und der Trick mit den falschen Polizeibeamten. Auf geschickte Art und Weise überlisten Täter ihre Opfer ihnen Geld und Wertgegenstände zu überreichen. Wie kann man sich schützen und was hat es wirklich mit diesen Tricks auf sich?

„Hallo, ich bin’s“ oder „Rate mal, wer dran ist.“ So fängt es meist an. Der Enkeltrick ist eine beliebte Masche und wird immer häufiger benutzt. Organisierte Tätergruppen suchen sich hauptsächlich ältere Leute als Opfer heraus und wollen sie um ihr finanzielles Vermögen bringen. Eine Person sitzt meist in einem Call Center im Ausland und sucht sich eine Person mit einem vermeintlich alten Vornamen heraus. Was eigentlich ganz unspektakulär anfängt, wird zu einem sehr strukturierten und hinterlistigen Telefonat.

 

Martin Prechtl: Polizeioberkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken
„Wenn es tatsächlich dann ältere Personen sind, die dann darauf reinfallen, dann sagen die, „hallo Lisa, bist du dran?“, also den Namen eines vermeintlichen Enkels oder eines nahen Verwandten und so bauen dann die Täter geschickt ein Gespräch auf in dem sie das Vertrauen der älteren Person gewinnen und danach eine finanzielle Hilfsbedürftigkeit vortäuschen, beispielsweise ein bevorstehender Autokauf oder ein Wohnungskauf, der ganz dringend vollzogen werden muss.“

 

Durch die geschickte Gesprächsführung überzeugen die Täter ihr Opfer Geld von der Bank abzuheben. Das soll einem Beauftragten übergeben werden. Meistens warten Komplizen vor dem Haus des Opfers und schauen, ob die Person tatsächlich zur Bank geht.
Aber wie sollte man vorgehen, wenn man in die Falle getappt ist? Sofort die Polizei verständigen, auf keinen Fall die Täter alleine stellen.

 

Martin Prechtl: Polizeioberkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken
„Wir als Polizei appellieren immer an ein gesundes Misstrauen der Betroffenen. Man muss sich selbst die Frage stellen, gibt es einen nahen Angehörigen, der Geld fordert oder eine  Ad-hoc-Lage besteht, dass man dringend Geld braucht und wenn dann tatsächlich jemand helfen will, dann sollte man sich auf keinen Fall unter Druck setzen lassen und erstmal einen nahen Angehörigen mit ins Boot holen und mit denen darüber reden über diese ganze Sache, ob das tatsächlich so sein kann.“

 


Aber nicht nur die Opfer können den Erfolg einer solchen Masche verhindern. Familienmitglieder können ältere Verwandte auf diese Betrugsart sensibilisieren. Auch Mitarbeiter von Kreditinstituten können bei Verdacht reagieren, indem sie nachfragen, für was die hohe abgehobene Summe verwendet werden soll.
Das ist aber nicht die einzige Masche. Auch sehr beliebt ist der Trick mit den falschen Polizeibeamten. Hier treten die Anrufer nicht als Enkel, sondern als Amtspersonen, wie Polizisten, Richter oder Staatsanwälte auf.

 

Martin Prechtl: Polizeioberkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken
Oft ist dann die Masche die, entweder ist ein unbekanntes Verfahren anhängig, so dass man gleich die Geldstrafe bezahlen muss und dann die Sache aus der Welt geräumt wäre oder eine gängige Masche ist, es wurden Einbrecher festgenommen, die hätten eine Liste dabei gehabt, wo die Adresse des mutmaßlichen Opfers drauf gestanden wäre und die Polizei kommt jetzt und sichert die Vermögenswerte des Opfers, damit die Täter da nicht zugreifen können.“

 

Beim Entlarven dieses Tricks spielt der Polizeiausweis eine wichtige Rolle.

 

Martin Prechtl: Polizeioberkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken
„Polizisten, wenn sie Maßnahmen gegen jemanden treffen, weißen sich immer aus. Da gibt es einen Polizeidienstausweis, den darf man sich auch verlangen lassen, wenn man da Zweifel hat. Man kann auch bei der entsendeten Dienstelle anrufen und das überprüfen lassen, sich den Einsatz bestätigen lassen. Das kann man auch unter der 110 im Notfall machen, wenn man diese Telefonnummer der Dienststelle nicht im Kopf hat.“

 


Für die Betrüger lohnt es sich, wie ein Blick in die Statistik des Jahres 2017 in Oberfranken zeigt: Insgesamt 180.000 Euro erbeuteten die Gauner beim Enkeltrick.
Bei dem Trick mit den falschen Polizeibeamten betrug der Beuteschaden 260.000 Euro.
Misstrauisch sein, schnell handeln und vor allem die Polizei einschalten, heißt es, um solche Überfälle zu verhindern.

 

 

 

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