Bäume der Erinnerung

TREES of MEMORY hilft Hinterbliebenen von Suizidopfern

Di, 16. Jun. 2020

Jährlich sterben rund 10.000 Menschen in Deutschland durch Suizid. Für betroffene Familienmitglieder und Freunde ist dies nur schwer zu verkraften. Der Verein TREES of MEMORY e.V. hilft Menschen, die Trauer zu bewältigen.

Mario Dieringer - Gründer "TREES of MEMORY"
Am 28. Dezember 2014, morgens um 9 Uhr, hat mein Gehirn eine eigenmächtige Entscheidung getroffen, die nichts mit dem freien Willen von Mario zu tun hatte und hat einen Schlussstrich gezogen. Dann habe ich morgens um 9 mich mit 200 Pillen und einer Flasche Wein versucht dann das Leben zu nehmen.

Es ist ein Thema, über das die Gesellschaft noch immer nicht spricht. Dabei ist der Suizid die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen. Mario Dieringer hat es versucht – und hat überlebt. Sein Lebenspartner jedoch nicht. Dieser litt, wie viele Menschen, an Depressionen und Suizidalität.

Mario Dieringer - Gründer "TREES of MEMORY"
„Sein Zustand wurde immer schlimmer, ich hatte das auch gesehen. Aber er hat sich konsequent einer adäquaten Behandlung verweigert. Und das hat riesengroße Ängste in mir ausgelöst, weil ich jeden Tag dachte „ok es könnte sein: ich komme abends nach Hause und ich finde ihn tot.“

Im Jahr 2016 dann der Schock: Marios Lebenspartner hat sich das Leben genommen. An Ostermontag hörte er die letzte Sprachnachricht seines Liebsten: Das ist der letzte Kuss für dich.

Für Mario war es schwer, seinen Tod zu verkraften. Auch viele anderen Familien wissen nicht, wie sie die Trauer nach einem Suizid eines Familienmitglieds bewältigen können.

Mario Dieringer - Gründer "TREES of MEMORY"
„Irgendwann hatte ich einfach diese Idee: Lauf um die Welt, pflanze Bäume der Erinnerung für Suizidopfer und mache auf das Problem der Depressionen, der Suizide, der Stigmas aufmerksam und gib den Hinterbliebenen eine Stimme, damit die Menschen erfahren, was in solchen Familien passiert.“

So gründeten zusammen 11 Menschen, darunter auch Katja Heußel, 2017 den Verein TREES of MEMORY e.V. Die Organisation hilft den Hinterbliebenen, mit der Situation und der Trauer umzugehen.

Katja Heußel – Gründungsmitglied TREES of MEMORY e.V.
„Und diese Leute helfen bei den ersten Schritten. Also überhaupt sich erstmal zu organisieren, was brauche ich, welche therapeutischen Angebote brauche ich, welche organisatorischen Angebote brauche ich, oder brauche ich vielleicht einfach nur die Möglichkeit, irgendjemanden meine Geschichte erzählen zu können.“

Seit 2018 läuft Mario Dieringer mit seinem Hund durch Deutschland und pflanzt Bäume für Suizidopfer. Er ist für die betroffenen Familien da, hört ihnen zu.

Mario Dieringer - Gründer "TREES of MEMORY"
„Es werden dann Freunde und Bekannte und Verwandte eingeladen – und dann wird dieser Baum gepflanzt und danach gibt es dann oft Kaffee, Kuchen, Grillen. Also es ist schon auch ein freudiges Ereignis.“

Jeder gepflanzte Baum steht für einen Menschen, der es nicht geschafft hat. Er soll ein Mutmacher-Baum sein. Jedes Blatt und jeder Ast erzählt eine Geschichte aus dem Leben des Verstorbenen.

Seit Sonntag ist Mario Dieringer wieder unterwegs. Er startete in Coburg und hat nun einen langen Weg vor sich, um Bäume als Erinnerung für Suizid-Opfer zu pflanzen. Denn jede Stunde nimmt sich in Deutschland jemand das Leben.

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